Kapitel 8

Wasserhaushalt von Rasengräsern

Kategorie: Pflanzenphysiologie

1. Bedeutung von Wasser für Pflanzen

Wasser ist einer der wichtigsten Faktoren für das Wachstum von Pflanzen. Es erfüllt mehrere grundlegende Funktionen im pflanzlichen Organismus.

Die wichtigsten Funktionen von Wasser sind:

  • Lösungsmittel für Nährstoffe
  • Transportmedium innerhalb der Pflanze
  • Aufrechterhaltung des Zelldrucks
  • Bestandteil biochemischer Reaktionen

Ohne ausreichende Wasserverfügbarkeit können viele Stoffwechselprozesse nicht stattfinden.

2. Aufnahme von Wasser über die Wurzeln

Pflanzen nehmen Wasser überwiegend über ihre Wurzeln auf. Die Wasseraufnahme erfolgt hauptsächlich über die feinsten Wurzelbereiche.

Besonders wichtig sind:

  • Wurzelhaare
  • junge Feinwurzeln
  • verzweigte Wurzelspitzen

Diese Strukturen besitzen eine große Oberfläche und ermöglichen einen intensiven Kontakt mit der Bodenlösung.

3. Mechanismen der Wasseraufnahme

Die Aufnahme von Wasser erfolgt überwiegend durch Osmose.

Osmose beschreibt die Bewegung von Wasser durch eine semipermeable Membran entlang eines Konzentrationsgefälles.

Innerhalb der Wurzelzellen entsteht dadurch ein kontinuierlicher Wasserfluss vom Boden in die Pflanze.

4. Transport von Wasser in der Pflanze

Nach der Aufnahme wird Wasser über das Xylem transportiert. Das Xylem ist ein Leitgewebe, das Wasser und gelöste Mineralstoffe von den Wurzeln zu den Blättern transportiert.

Der Wassertransport wird durch mehrere Kräfte ermöglicht:

  • Wurzeldruck
  • Kapillarkräfte
  • Transpirationssog

Der wichtigste Mechanismus ist der Transpirationssog, der durch Verdunstung an den Blättern entsteht.

5. Transpiration

Transpiration bezeichnet die Verdunstung von Wasser über die Blätter der Pflanze.

Dieser Prozess erfüllt mehrere Funktionen:

  • Kühlung der Pflanze
  • Aufrechterhaltung des Wasserstroms
  • Transport von Nährstoffen

Die Verdunstung erfolgt hauptsächlich über kleine Öffnungen der Blätter, die sogenannten Spaltöffnungen (Stomata).

6. Regulierung der Spaltöffnungen

Spaltöffnungen können geöffnet oder geschlossen werden. Diese Regulation erfolgt durch spezielle Schließzellen.

Die Öffnung der Spaltöffnungen wird von mehreren Faktoren beeinflusst:

  • Licht
  • Wasserverfügbarkeit
  • Kohlendioxidkonzentration
  • Temperatur

Durch das Öffnen der Spaltöffnungen kann Kohlendioxid für die Photosynthese aufgenommen werden.

7. Einfluss der Bodenfeuchte

Die Bodenfeuchte bestimmt maßgeblich, wie viel Wasser Pflanzen aufnehmen können.

Es lassen sich verschiedene Zustände unterscheiden:

  • Wassergesättigter Boden
  • Feldkapazität
  • nutzbare Feldkapazität
  • permanenter Welkepunkt

Der Bereich zwischen Feldkapazität und permanentem Welkepunkt bestimmt die Menge an Wasser, die Pflanzen nutzen können.

8. Wasserstress

Wenn Pflanzen weniger Wasser aufnehmen können, als sie über Transpiration verlieren, entsteht Wasserstress.

Mögliche Auswirkungen sind:

  • reduzierte Photosynthese
  • verlangsamtes Wachstum
  • Veränderungen der Blattstruktur

Pflanzen besitzen verschiedene Anpassungsmechanismen, um mit Wasserstress umzugehen.

9. Anpassungsmechanismen der Pflanzen

Rasengräser können verschiedene Strategien entwickeln, um mit begrenzter Wasserverfügbarkeit umzugehen.

Dazu gehören:

  • tieferes Wurzelwachstum
  • reduzierte Transpiration
  • Veränderung der Blattstellung
  • Anpassung der Stoffwechselprozesse

Diese Anpassungen können die Überlebensfähigkeit der Pflanzen erhöhen.

10. Zusammenfassung

Der Wasserhaushalt ist ein zentraler Bestandteil der Pflanzenphysiologie. Wasser wird über die Wurzeln aufgenommen, über Leitgewebe transportiert und über die Blätter verdunstet.

Die Balance zwischen Wasseraufnahme und Wasserverlust bestimmt maßgeblich das Wachstum und die Vitalität von Rasengräsern.

Praktische Bewässerungskennwerte:

  • Rasengräser benötigen in Trockenperioden etwa 15 bis 20 Liter Wasser pro Quadratmeter pro Woche
  • Die Bewässerung sollte vorzugsweise in den frühen Morgenstunden erfolgen, um Pilzbefall zu reduzieren
  • Seltenes, dafür durchdringendes Wässern fördert tiefes Wurzelwachstum und ist günstiger als häufiges, oberflächliches Gießen
  • Die Wurzeltiefe gängiger Rasengräser beträgt je nach Art und Boden 10 bis 30 Zentimeter; tiefwurzelnde Arten wie Festuca arundinacea können bis 60 Zentimeter erreichen
  • Zeichen von Trockenstress: Blätter rollen sich ein, die Grasfarbe wechselt von grün zu blaugrau, Fußabdrücke bleiben nach dem Betreten sichtbar
  • C3-Rasengräser können bei anhaltendem Wassermangel in eine Sommerdormanz (Ruhezustand) eintreten und bei Wiederbewässerung erneut austreiben