Kapitel 22

Rollrasen: Produktion, Verlegung und Anwachsphase

Kategorie: Rasennutzung & Pflege

1. Definition von Rollrasen

Rollrasen (auch Fertigrasen genannt) bezeichnet eine auf speziellen Anbauflächen kultivierte Grasnarbe, die nach einer Anzuchtphase von der Produktionsfläche geschält, aufgerollt und als fertige Vegetationsdecke auf vorbereiteten Boden verlegt wird.

Im Unterschied zur klassischen Rasenaussaat bietet Rollrasen eine sofort geschlossene Grasnarbe. Dadurch entfällt die mehrwöchige Keimungs- und Etablierungsphase.

2. Artenzusammensetzung von Rollrasen

Rollrasen wird in der Regel aus Mischungen der drei Hauptarten produziert:

  • Lolium perenne (Deutsches Weidelgras) – für schnellen Narbenschluss und Belastbarkeit
  • Poa pratensis (Wiesenrispe) – für Rhizombildung und langfristige Narbenstabilität
  • Festuca rubra (Rotschwingel) – für Feinblättrigkeit und Trockenheitstoleranz

Die Zusammensetzung richtet sich nach dem Verwendungszweck. Für Gebrauchsrasen (RSM 2.3) ist eine typische Zusammensetzung etwa 30 Gewichtsprozent Lolium perenne, 30 Gewichtsprozent Poa pratensis und 40 Gewichtsprozent Festuca rubra. Für Sportrasen dominieren Lolium perenne und Poa pratensis. Zunehmend werden auch Mischungen mit Festuca arundinacea (Rohrschwingel) für trockenheitsgefährdete Standorte angeboten.

3. Produktion von Rollrasen

Die Produktion von Rollrasen erfolgt auf speziell vorbereiteten Anbauflächen, üblicherweise auf leichten, sandigen Böden mit guter Drainage.

Der Produktionsprozess umfasst folgende Schritte:

Bodenvorbereitung: Die Anbaufläche wird eingeebnet, gelockert und mit einer Grunddüngung versehen. Eine gleichmäßige Bodenstruktur ist entscheidend für die spätere Schälbarkeit.

Aussaat: Die Rasenmischung wird maschinell mit einer Saatdichte von etwa 25 bis 35 Gramm pro Quadratmeter ausgebracht.

Anzuchtphase: Die Kultivierung dauert in der Regel 12 bis 18 Monate. Während dieser Zeit wird die Fläche regelmäßig gemäht, bewässert, gedüngt und bei Bedarf gegen Unkraut behandelt. Die Grasnarbe muss eine ausreichende Dichte und Wurzelverfilzung erreichen, damit sie beim Schälen zusammenhält.

Schälen: Mit speziellen Schälmaschinen wird die Grasnarbe in einer Stärke von etwa 15 bis 25 Millimetern vom Untergrund abgetrennt. Die geschälten Bahnen sind üblicherweise 40 Zentimeter breit und werden maschinell aufgerollt.

Logistik: Nach dem Schälen muss der Rollrasen innerhalb von 24 bis 36 Stunden verlegt werden, da die abgetrennten Pflanzen ohne Bodenkontakt schnell an Vitalität verlieren. Die Lagerung sollte an einem schattigen, kühlen Ort erfolgen. An heißen Tagen kann sich die Temperatur im Inneren der Rollen erhöhen, was zu Hitzeschäden und Gelbfärbung führen kann.

4. Bodenvorbereitung für die Verlegung

Eine sorgfältige Bodenvorbereitung ist entscheidend für das Anwachsen des Rollrasens.

Die wichtigsten Arbeitsschritte sind:

Altbewuchs entfernen: Vorhandener Bewuchs muss vollständig entfernt werden, entweder mechanisch durch Fräsen oder durch Abschälen der alten Grasnarbe.

Boden lockern: Der Boden sollte auf eine Tiefe von mindestens 15 bis 20 Zentimetern gelockert werden, um Verdichtungen zu beseitigen und das Wurzelwachstum zu fördern.

Einebnen und planieren: Eine ebene Oberfläche verhindert Unebenheiten und Staunässe nach der Verlegung. Das Bodenniveau sollte etwa 2 Zentimeter unter dem gewünschten Endniveau liegen, um die Stärke der Rollrasensoden auszugleichen.

Bodenverbesserung: Bei schweren, tonreichen Böden kann die Einarbeitung von Sand die Drainage verbessern. Eine Grunddüngung mit einem phosphorbetonten Starterdünger fördert die Wurzelbildung.

Rückverdichtung: Nach dem Lockern sollte der Boden leicht rückverdichtet werden (Walze oder Trittbrett), sodass eine feste, aber nicht verdichtete Oberfläche entsteht. Der Boden sollte beim Betreten nicht mehr als 1 bis 2 Zentimeter nachgeben.

5. Verlegung von Rollrasen

Die Verlegung sollte zeitnah nach Lieferung erfolgen. Ideale Verlegezeiten sind Frühjahr (April bis Mai) und Herbst (September bis Oktober), wenn moderate Temperaturen und ausreichende Niederschläge zu erwarten sind. Eine Verlegung im Sommer ist möglich, erfordert aber intensivere Bewässerung.

Wichtige Grundregeln bei der Verlegung:

  • Die erste Bahn entlang einer geraden Kante (Wegrand, Terrasse) verlegen
  • Bahnen dicht Stoß an Stoß verlegen, ohne Überlappung und ohne Lücken
  • Bahnen im Versatz verlegen (wie bei einer Ziegelsteinmauer), um durchgehende Querfugen zu vermeiden
  • Auf dem bereits verlegten Rasen nicht knien oder treten, sondern ein Brett als Unterlage verwenden
  • Nach der Verlegung die gesamte Fläche mit einer Rasenwalze andrücken, um den Kontakt zwischen Soden und Unterboden zu verbessern
  • Überstehende Ränder mit einem scharfen Messer zuschneiden

6. Anwachsphase und Erstpflege

Nach der Verlegung beginnt die Anwachsphase, in der die Wurzeln des Rollrasens in den Unterboden einwachsen müssen. Diese Phase dauert in der Regel 2 bis 4 Wochen.

Bewässerung: Unmittelbar nach der Verlegung muss der Rollrasen durchdringend gewässert werden (etwa 15 bis 20 Liter pro Quadratmeter). In den ersten 2 Wochen sollte die Fläche täglich bewässert werden, bei Hitze morgens und abends. Der Boden unter den Soden sollte stets feucht, aber nicht wassergesättigt sein. Ein Anheben einer Sodenecke gibt Aufschluss über die Bodenfeuchtigkeit darunter.

Betreten vermeiden: In den ersten 2 bis 3 Wochen sollte die Fläche möglichst nicht betreten werden, um die empfindlichen Neuaustriebe der Wurzeln nicht zu beschädigen.

Erster Schnitt: Der erste Mähgang erfolgt etwa 7 bis 14 Tage nach der Verlegung, wenn der Rasen eine Höhe von etwa 6 bis 8 Zentimetern erreicht hat. Die Schnitthöhe sollte beim ersten Mähen nicht unter 4 bis 5 Zentimeter liegen. Die Ein-Drittel-Regel ist dabei zu beachten: Nie mehr als ein Drittel der Blattlänge in einem Schnitt entfernen.

Düngung: Eine erste Nachschubdüngung erfolgt etwa 4 bis 6 Wochen nach der Verlegung, abhängig davon, ob bei der Bodenvorbereitung bereits gedüngt wurde.

7. Vorteile von Rollrasen gegenüber Aussaat

Rollrasen bietet gegenüber der klassischen Rasenaussaat mehrere Vorteile:

  • sofort geschlossene Grasnarbe nach Verlegung
  • deutlich geringeres Risiko für Unkrautbesiedlung in der Etablierungsphase
  • Verlegung ganzjährig möglich (außer bei Bodenfrost)
  • Erosionsschutz auf Hanglagen sofort wirksam
  • keine Wartezeit für Keimung und Jugendentwicklung
  • gleichmäßiges Erscheinungsbild von Beginn an

Dem gegenüber stehen die höheren Kosten pro Quadratmeter und die Notwendigkeit einer sorgfältigen Logistik (zeitnahe Verlegung nach Schälung).

8. Anwachskontrolle

Das Anwachsen des Rollrasens kann überprüft werden, indem man vorsichtig an einer Sodenecke zieht. Wenn sich die Sode nach 2 bis 3 Wochen nicht mehr vom Untergrund lösen lässt, hat ausreichende Verwurzelung stattgefunden.

Anzeichen für Probleme beim Anwachsen:

  • Gelbfärbung der Grasnarbe (Hinweis auf Wassermangel oder Hitzeschäden)
  • Soden lassen sich nach 3 Wochen noch leicht anheben (unzureichende Verwurzelung)
  • sichtbare Fugen zwischen den Bahnen, die sich nicht schließen (Austrocknung der Sodenränder)
  • Pilzbefall oder Fäulnisgeruch (Staunässe, zu wenig Luftaustausch)

9. Langfristige Pflege von Rollrasen

Nach der Anwachsphase unterscheidet sich die Pflege von Rollrasen nicht mehr von der Pflege einer ausgesäten Rasenfläche.

Die wichtigsten Pflegemaßnahmen umfassen:

  • regelmäßiger Schnitt (mindestens einmal pro Woche während der Vegetationsperiode)
  • Schnitthöhe für Gebrauchsrasen: 3 bis 5 Zentimeter
  • Düngung: etwa 15 bis 25 Gramm Stickstoff pro Quadratmeter und Jahr, verteilt auf 3 bis 4 Gaben
  • Bewässerung in Trockenperioden: etwa 15 bis 20 Liter pro Quadratmeter pro Woche
  • Vertikutieren im Frühjahr zur Entfernung von Rasenfilz
  • Aerifizieren bei Bodenverdichtung zur Verbesserung des Luft- und Wasserhaushalts
  • Nachsaat bei Kahlstellen mit einer geeigneten Nachsaat-Mischung (hoher Lolium-perenne-Anteil)

10. Zusammenfassung

Rollrasen ist eine kultivierte Grasnarbe, die als fertige Vegetationsdecke verlegt wird. Die Produktion erfolgt über einen Zeitraum von 12 bis 18 Monaten auf speziellen Anbauflächen. Für ein erfolgreiches Anwachsen sind eine sorgfältige Bodenvorbereitung, eine fachgerechte Verlegung und eine konsequente Bewässerung in den ersten Wochen entscheidend. Nach der Anwachsphase folgt die reguläre Rasenpflege mit regelmäßigem Schnitt, Düngung und bedarfsgerechter Bewässerung.